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Preisträger

 
 
das Votum der Jury

die Jury hat sich für die Preisvergabe in folgenden drei Kategorien entschieden:
- ,Die beste Vorstellung von Fremden'
- ,Ungewöhnlichste Darstellung'
- ,Beste Darstellung multikultureller Normalität'
In jeder Kategorie wurde ein Hauptpreis im Wert von 150 Euro und ein zweiter Preis im Wert von 50 Euro vergeben.

1. Preis in der Kategorie ,Die beste Vorstellung von Fremden'
geht an den Film ,Mama' von Maman Salissou Oumarou
Begründung der Jury:
Der Film zeigt Ausschnitte des Alltags eines Asylbewerbers. Dabei stellt er das Verhältnis zu seiner Heimat und seiner Familie im Niger dar. Der Film ist besonders gelungen, weil er dem Zuschauer Informationen vermittelt, die sich viele Dessauerinnen und Dessauer nicht bewusst machen: Erstens haben Flüchtlinge eine Familie wie wir und stehen in ähnlichen Auseinandersetzungen, wie wir sie alle von unseren Eltern oder Kindern kennen. Zweitens gibt es für Flüchtlinge so gut wie keine Möglichkeit, ihre Situation zu verbessern, in erster Linie wegen des bestehenden Arbeitsverbots. Drittens wird über den Dialog mit der Mutter deutlich, wie paradox die Notwendigkeit einer „Arbeitserlaubnis“ den Betroffenen erscheint - und damit, wie stark die deutsche Flüchtlingspolitik auf die Ausgrenzung von Flüchtlingen setzt. Durch die Perspektive des Fremden wird der Zynismus der Situation deutlich.

2. Preis in der Kategorie ,Die beste Vorstellung von Fremden'
geht an den Film ,Das perfekte Dinner' von Anne Greiser
Begründung der Jury:
Dieser Beitrag zeigt den Versuch von Menschen aus vier Kulturkreisen, für einander ,das perfekte Dinner' zu kochen. Er knüpft damit an eine bekannte Fernsehserie an. Verblüffend sind das Spiel mit dem Bekannten und seine Verfremdung. Des Weiteren besticht der Film durch seine Natürlichkeit. Die Idee ist simpel: Angehörige von vier Nationen treffen sich, um jeweils ein nationaltypisches Gericht miteinander zu sich zu nehmen. Und schon ist spürbar, dass nicht einfach ist, was einfach zu sein scheint. Selbst beim Thema Essen ist es schwierig, bekanntes Terrain zu verlassen und sich an Fremdes heranzuwagen. Dies zeigt, dass sich auch Fremde untereinander fremd sein können. Es ist angenehm zu sehen, wie sich Menschen auf etwas Neues einlassen und dabei vielleicht ähnliche Probleme haben, wie sie jeder von uns hätte. Der Beitrag zeigt in spielerischer Weise, wie Menschen andere Kulturen, auch die deutsche, als fremd erleben können.

1. Preis in der Kategorie ,Ungewöhnlichste Darstellung'
geht an den Film ,Jeder ist anders' von Alisan Deveci, Ahmed Waissi, Evgenij Presler, Florian Laue und Steven Woche
Begründung der Jury:
In diesem Beitrag zeigen die Filmautoren einen Rap-Titel junger Künstler. Der Film überrascht durch seine völlig andere Herangehensweise. Den Jugendlichen ist es gelungen, in ihrer Sprache eine Botschaft zu formulieren und zu transportieren, die ihnen wichtig ist: Jeder ist anders. Damit ist die Botschaft des Titels ebenso klar wie einfach und vor allem eingängig. Er erreicht die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht vorrangig über den Kopf, sondern vor allem auf der Gefühlsebene. Beeindruckend ist auch die hohe Qualität der Umsetzung der Filmidee, die zeigt, wie viel Zeit und Mühe die Darsteller investiert haben. Aus unserer Sicht besteht eine große Chance, aufgrund des gewählten Mediums (Rap-Musik) und der jugendlichen Sprache, eine Zielgruppe zu erreichen, die ansonsten schwer zu erreichen ist.

2. Preis in der Kategorie ,Ungewöhnlichste Darstellung'
geht an den Film ,Alleingelassen“ von Mandy Dörre
Begründung der Jury:
Der Film zeigt, wie eine Gruppe junger Menschen sich gegenüber Neuem und Fremdem verhält und mit Ausgrenzung reagiert. In einem zweiten Schritt erzählt er, wie schnell man plötzlich selber ausgeschlossen sein kann. Dabei verzichtet der Film auf das gesprochene Wort, sondern unterlegt die Szenen mit Musik. Der Film wirkt holprig und ist nicht leicht eingängig. Genau dies ist seine Stärke. Das fehlende Sprechen und die häufigen Wechsel der Musik überraschen die Zuschauerin oder den Zuschauer. Sie verleiten dazu, sich den Fortgang des Filmes anzuschauen, aber auch dazu, mit den Gedanken abzuschweifen. Die Zuschauerin oder der Zuschauer kann Parallelen zu eigenen Erfahrungen herstellen oder sich überlegen, wie sie oder er in der Situation reagiert hätte. Damit hat der Film das Potential, Zielgruppen anzusprechen, die nicht ausdrücklich am Thema interessiert sind, und einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

1. Preis in der Kategorie ,Beste Darstellung multikultureller Normalität'
geht an den Film ,Cala a boca!' von Miriam Malungo, Patricia Wypchlo, Rebecca Wallis, Edith Rehm und Rita Strasburger
Begründung der Jury:
In dem Beitrag werden drei Mädchen aus Dessau, unterschiedlicher nationaler Herkunft vorgestellt. Der Film hinterlässt bei Zuschauerinnen und Zuschauern einen schwungvollen und sympathischen Eindruck. Weil es in erster Linie um alltägliche Themen, mit denen sich deutsche und nichtdeutsche Heranwachsende beschäftigen, wie z. B. Popmusik und Reisewünsche, fällt eine Identifikation mit den Darstellerinnen leicht. Der Film blendet aber gleichzeitig den unterschiedlichen Hintergrund oder die Erfahrungen nicht aus. Die schlechten Erfahrungen einer Darstellerin an ihrer ehemaligen Schule mit Rassismus fehlen ebenso wenig wie die leicht distanzierte Auseinandersetzung mit dem Herkunftsland der Eltern. Er stellt Menschen anderer Herkunft als etwas Normales und gar nicht Erschreckendes vor. Wer ausländische Mitbürger als Freunde hat, ist gegen pauschale Verurteilungen besser immun. Dazu beizutragen, hat der Film das Potential.

2. Preis in der Kategorie ,Beste Darstellung multikultureller Normalität'
geht an den Film ,Am Brunnen vor dem Tore' von Claudia Weber
Begründung der Jury:
Der Film lässt eine japanische Zuwanderin erzählen, wie sie über ein historisches und vor allem ihr musikalisches Interesse nach Deutschland gekommen ist. Ein sehr persönlicher Film, an dessen Ende man das Gefühl hat, Mika etwas kennen gelernt zu haben. Und man hat Anteil genommen am Werdegang einer kulturellen Durchmischung. Die Neugierde auf etwas Fremdes, als japanische Opernsängerin deutsche Volkslieder singen zu wollen, mündet in einem persönlichen Happy End: einer gelebten multikulturellen Beziehung in Deutschland. Auch das anfangs geschilderte starke Interesse der Darstellerin an dem Mauerfall und dem DDR-Staat verbindet Zuschauerinnen und Zuschauer aus Dessau-Roßlau mit der Darstellerin. Der Film weckt damit eine Neugierde auf Fremde und zeigt andererseits, wie gut integriert viele Fremde in unserer Gesellschaft leben.

Der Publikumspreis im Wert von 100 Euro geht an:
,Jeder ist anders' von Alisan Deveci, Ahmed Waissi, Evgenij Presler, Florian Laue und
Steven Woche

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